Seite 1 von 1

Wechselrichter / USV

Verfasst: 27.04.2016 22:17
von Waheela
Hallo zusammen,

ich will über einem ausreichend dimensionierten Wechselrichter, oder eine USV Anlage während der Fahrt im Anhänger einen Minikühlschrank (nur 220V Anschluß, 55W, Kompressor) betreiben.

Fritz Berger hat jedoch eine außschließlich mit 220 V betriebene Kompressorkühlbox, mit dem Hinweis versehen: "funktioniert nicht mit einem Wechselrichter". Bevor ich mir den Kühlschrank jetzt kaufe hätt ich da Fragen, die ihr vielleicht beantworten könnt.


Liegt das jetzt an der Box oder formt ein Wechselrichter die 220 V Wechselspannung für einen Kompressormotor nicht so exakt um, damit der laufen kann?
Bekommt das eine USV Anlage, die ja z.B. für Computer bei Netztausfall genutzt wird, das besser hin, oder funktioniert der Motor bei beiden nicht?
Hat da jemand schon Erfahrung bzw. Fachkenntnisse, ob ich den Kühlschrank so betreiben kann?

Gruß Matthias

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 27.04.2016 22:32
von Reinhard
Ich habe einen Wechselrichter mit dem ich eine Kühlbox(230V, 45 W) und einen kl. Kühlschrank (230V 50W) während der Fahrt problemlos betreibe.
Sind allerdings keine Kompressorgeräte.
Ich glaube das liegt an der Hertzzahl. Normalstrom hat 50 Hertz, und aus dem Wechselrichter kommen glaub ich nur 40Hertz.

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 28.04.2016 08:21
von awh2cv
Moin zusammen
Grundsätzlich kannst du an einem Wechselrichter alles betreiben
was 220V Wechselspannung benötigt, wenn er richtig dimensioniert ist.
Ein Kompressor ist ein Elektromotor und der braucht erheblich größerre Anlaufleistung.
Das heist zum Starten braucht er die 3 bis 30 fache Nennleistung für ein paar Sekunden.
Das sind in deinem Fall 165 - 1650 W dementsprechend muss der Wechselrichter ausgelegt werden.
Wechselrichter können auch kurzzeitig mehr als ihre Nennleistung bewältigen
aber eben nur Kurzzeitig.
Hier ist das mit den Wechselrichtern gut erklährt
Wiki: Hier ist das mit den Kühlschränken gut erklärt Hier ist das mit den Kühlschränken gut erklärt

mit erklärten Grüßen
armin

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 28.04.2016 08:28
von Kargen
Moin,


ich bin kein Elektriker, aber es gibt ja noch das Thema "Rechteckspannung und Sinusspannung" bei Wechselrichter. Wenn der besagte Kühlschrank mit einer Rechteckspannung nicht umgehen kann, benötigt man ggf. einen hochwertigen Wechselrichter der Sinusspannung kann. Da das ein eher für Laien unbekannter Unterschied bei Wechselrichtern ist, könnte das zu der grundsätzlichen Aussage geführt haben "geht nicht an Wechselrichtern".

Gruß Karsten

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 29.04.2016 09:16
von Niels$
Genau das Thema Sinus sollte IMHO der Punkt sein. Ich war vor Ewigkeiten mal bei einem Kunden, bei dem mehrfach die USV abgebrannt ist. Unterm Strich hat die keinen Sinus gemacht und die Netzteile dahinter konnten nicht mit Rechteck umgehen, waren aber kräftiger als die USV. Eigentlich passiert so etwas immer dann, wenn 2 einfache Systeme aufeinanderstoßen.
Unsere normale Steckdosenenergie kommt als Sinus daher. Sprich sie wechselt in einer gleichförmigen Welle 50x in der Sekunde die Richtung. Dabei steigt die Spannung im Bogen von 0V auf 360V an und fällt dann wieder auf 0V ab dann auf -360V zu wechseln. Im Mittel ergibt das dann 230V Effektivspannung. Das mittels einem Wechselrichter nachzubauen ist nicht so einfach, daher wechselt bei einfachen Geräten die Spannung in mehr oder wenigen rechteckigen Impulsen.
In der Regelung von Netzteilen gibt es nun mehrere Möglichkeiten: Entweder man regelt auf der Primärseite (Eingang) oder auf der Sekundärseite ( Ausgang). Moderne Netzteile sind Wiki: Schaltnetzteile Schaltnetzteile. Diese regeln primärseitig, wobei sie die Wechselspannung in Gleichspannung umsetzen und diese dann in Impulse zerlegen um sie in höherer Frequenz auf den Transformator zu geben. Hier kann es mit rechteckiger 230V massive Probleme geben, denn es wird durch die Eingangsspannung ein Kondensator aufgeladen. Schaltet man nun das Gerät am Beginn eines Rechtecks ein, wird dieser ebenso wie an der Spitze der Sinuswelle extrem stark geladen. Das kompensieren weitere Bauteile im Netzteileingang für einen kurzen Impuls. Da die Sinuswelle dann schon wieder runter geht ist alles gut, bleibt aber die Rechteckspannung zu lange stehen sind die Pufferkapazitäten des Netzteileinganges erschöpft und der Strom steigt extrem an. Und mit etwas Pech steigt er eben zu hoch. Eine bessere Abfederung der Eingangsspitzen kostet natürlich Geld, was Hersteller im Kampf um das günstigste Gerät und im Interesse eines Gerätedefekts nach kalkulierbarer Zeit (Sollbruchstellen) nicht investieren.
Ähnliches kann für Geräte ohne Netzteil oder einfacher primärseitig geregelte Netzteile in Frage kommen. Hier kommt unter Umständen eine Wiki: Phasenanschnittsteuerung Phasenanschnittsteuerung zum Einsatz, wobei das heute eigentlich bei Netzteilen nicht der Fall sein sollt, denn die Schaltnetzteilelektronik ist günstiger wie die Mehrkosten für den hier benötigten größeren Transformator. Aber man weiß natürlich nie, was in den Billigproduzenten vorgeht. Vielleicht haben sie noch eine Lagerhalle voller Transformatoren die weg müssen...
Die Phasenanschnittsteuerung schneidet Teile der Sinuswelle weg, um genau die benötigte Energie zu bekommen. Das ist etwas, was bereits nicht Lieblingstechnologien der Energieversorger zählt und so auch für einen Sinus-Wechselrichter kein Spaß ist. Aber in den meisten Fällen ist das ok. Aber was soll die arme Phasenanschnittssteuerung denn bei einer rechteckigen Wechselspannung weg schneiden? Sie kann nur die Impulse kürzer machen, wofür sie aber erst einmal nicht ausgelegt ist. Also müsste auch sie wieder aufwendiger gebaut werden. Aber will man das von einem Hersteller erwarten, der sich schon scheut überhaupt ein Schaltnetzteile zu verbauen?

Die im von Armin verlinkten Artikel genannten Verbrauchertypen treten im übrigen häufig als Mischformen auf. So ist ein Schaltnetzteile erst einmal eine kapazitive Last, die neben dem Ladekondensator vorhandenen Bauteile kompensieren das durch ihr Verhalten als induktive Last in Richtung ohmsche Last. Es bleibt aber ein hoher Einschaltstrom. Und auch eine Glühlampe, die eigentlich zu 100% eine ohmsche Last ist, hat einen extrem hohen Einschaltstrom, da der Widerstand des Glühfadens im kalten Zustand viel geringer ist (Kaltstromstoß).
Hier sind Lampen und Notebooks PCs etc. definitiv falsch eingeordnet bzw. die Beschreibung der ohmschen Last ist zu pauschal, denn die haben trotz ihrer Klassifizierung einen höheren Einschaltstrom (bzw. Einsteckstrom, denn das Netzteil von PCs und Notebooks ist auch im ausgeschalteten Zustand am Netz). Wenn ich mein Lenovo-Netzteil in die Steckdose stecke, dann funkt das manchmal ordentlich - ist aber kein Vergleich zu meinem alten Asus-Netzteil, womit ich schon Sicherungen ausgelöst habe.

So, jetzt habe ich viel mehr geschrieben als ich wollte. Und was ist meine Schlussfolgerung? Mit einem Sinuswechselrichter ist die Gefahr von Problemen schon sehr gering, wenn auch nicht zu 100% auszuschließen.

Niels

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 29.04.2016 12:18
von Rollo
Moin,
ich betreibe seit gut 3 Jahren meine Waeco CF 40 im Auto mit einem Wechselrichter,ich glaube der hat 500 W und das funktioniert einwandfrei. Vorher hatte ich so eine "Coladose" mit 150 W damit ging es nicht.

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 29.04.2016 19:27
von Waheela
Danke für die schnellen Antworten, ich bin jetzt schon ein ganzes Stück weiter gekommen. :dhoch:

Ich habe ja schon eine 40 l Engel Kühlbox und bin natürlich von der Kühlleistung dieser Kompressorbox im Gegensatz zu einer Absorberbox begeistert. Im 3Dog Anhänger habe ich hinten an der Öffnung eine Höhe von 48cm. Im Net habe ich einen Minikühlschrank (nur 220V) gefunden, der in diese Öffnung passt. Den könnte ich drin stehen lassen da er ja von vorne zu öffnen ist. Außerdem habe ich eine ausgediente USV, mit 300 Watt output, die mit einer Autobatterie funktioniert. Mein Gedanke war, dass eine Kühlung auch während der Fahrt oder auch mal Autark, mit einem Wechselrichter 12V auf 220V oder einer USV funktionieren könnte.

Niels hat bestimmt recht, dass der Motor eine exakte Sinuswelle braucht, damit er läuft. In der Beschreibung konnte ich nichts finden, ob meine USV eine "gute" Sinuswelle hinbekommt. Ich denke aber besser als ein reiner Wechselrichter.

Das primäre Problem bei mir, so wie Armin das beschrieben hat, wird wohl der hohe Anlaufstrom des Motors sein im Verhältnis zu meiner 300W USV.

So wie ich dachte funktioniert es also nicht. Wird wohl so bleiben wie es war. ;)

Danke nochmal für die Gute Auskunft

Gruß Matthias

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 02.05.2016 14:02
von Per
Waheela hat geschrieben:Im Net habe ich einen Minikühlschrank (nur 220V) gefunden, der in diese Öffnung passt.
Kompressor? Oder doch Peltier?
Waheela hat geschrieben:Niels hat bestimmt recht, dass der Motor eine exakte Sinuswelle braucht, damit er läuft.
Wichtig ist auch, wie die Elektronik (so mehr als ein Thermoschalter drin ist) im Kühlschrank angeschlossen ist.
Waheela hat geschrieben:Das primäre Problem bei mir, so wie Armin das beschrieben hat, wird wohl der hohe Anlaufstrom des Motors sein im Verhältnis zu meiner 300W USV.
Ähm: ja. Vllt. mal am normalen Netz messen. Gibt Meßgeräte mit Min-/Max-Anzeige.

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 02.05.2016 22:57
von bfbs
Hallöle

Ich benutze diesen beiden mit reinem Sinus. Einschaltströme von Netzteilen sind kein Problem...

http://www.reichelt.de/Wechselrichter/TITAN-HW-300U6/3/index.html?&ACTION=3&LA=2&ARTICLE=167658&GROUPID=4954&artnr=TITAN+HW-300U6
http://www.ebay.de/itm/Sinus-Spannungswandler-HIP-12V-1000W-4000W-Stromwandler-Wechselrichter-Solar-/201035975371?var=&hash=item2ecead8acb:m:mKJz4qAgMmjqO_WHdsotApw

Der 2. braucht aber ne gute Zuleitung. 1000W ergeben auf der 12V Seite ca. 100A. Da sollte man 50mm² verwenden und gute Sicherungen haben.

Gruß Flo

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 23.08.2023 10:37
von Stefanseiner
Kargen hat geschrieben: 28.04.2016 08:28 ich bin kein Elektriker, aber es gibt ja noch das Thema "Rechteckspannung und Sinusspannung" bei Wechselrichter. Wenn der besagte Kühlschrank mit einer Rechteckspannung nicht umgehen kann...
das ist haargenau der Knackpunkt.
Für rein ohmsche Lasten, also Licht, Heizplatte, Durchlauferhitzer, Fön, Kaffeemaschine etc. ist Rechteckspannung ausreichend.
Für alles andere, insbesondere mit empfindlicher Elektronik, benötigt man eine Sinuswechselspannung

Re: Wechselrichter / USV

Verfasst: 23.08.2023 23:43
von ABurger
Die Heizpatrone in einem Absorber ist ein Ohmscher Verbraucher.
Dafür aber einen WR einzusetzen ist sinnfrei, dito mit Kompressor-Kühlis.
Die gibt es nämlich auch als 12V-Geräte, welche den teuren Umweg ersparen.